Gelingende Schule - IGS Bonn Beuel

Die Integrative Gesamtschule Bonn-Beuel stellte ihr Konzept dem Verein "Schule für alle e.V." in Hennef vor

 

(mk) „Das ist die schlimmste Zeit im Jahr, wo wir vielen Eltern mitteilen müssen, dass ihr förderbedürftiges Kind keinen Schulplatz bei uns bekommen hat", sagte Sonderschulpädagogin Gerlinde Klein traurig. Jedes Jahr gibt es 500 Bewerber für die IGS Bonn-Beuel, aber nur 172 Plätze sind zu vergeben. Besonders hart treffen die Absagen die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. „Nur" 12 von ihnen finden in zwei Klassen mit integrativem Unterricht einen Platz. Am Ende entscheidet das Los über die Aufnahme.

 

Keine schönen Aussichten, die viele betroffene Eltern bei der Veranstaltungsreihe „Gelingende Schulen" des Vereins „Schule für alle e.V." zu hören bekamen. Ein 5-köpfiges Team, bestehend aus Fachlehrern, Sonderpädagogen und einem Vater, dessen behinderter Sohn die IGS Bonn-Beuel besucht, machten sich nach Hennef auf, um über das Schulkonzept und über persönliche Erfahrungen zu referieren.

 

Mit Hilfe des Koordinators für Gemeinsamen Unterricht (GU), Mike Kulhavy, entwickelte sich schnell ein konspiratives Treffen, das mit vielen Vorurteilen aufräumte und auch vor persönlichen Ängsten keinen Halt machte. Eine mehrjährige wissenschaftliche Begleitung des Gemeinsamen Unterrichts an der IGS Bonn-Beuel hat ergeben, dass der GU günstige Bedingungen für die positive sozial-emotionale Entwicklung aller Schülerinnen und Schüler schafft und ein Klima der Rücksichtnahme im ganzen Schulhaus fördert. Mehr noch: Kinder ohne Förderbedarf lernen mehr in den Integrationsklassen, im Vergleich zu den Parallelklassen.

 

Heterogenität als Chance begreifen: Vom geistig behindertem bis zum hochbegabten Kind - alle werden gemeinsam unterrichtet und individuell gefördert. Das Konzept geht auf. Zahlreiche Auszeichnungen erhielt die IGS Bonn-Beuel bereits. Zuletzt erreichte sie im Dezember 2008, den 2. Platz beim „Deutschen Schulpreis" durch herausragende pädagogische Leistungen. Grundvoraussetzung für das Gelingen ist aber die Freiwilligkeit der Schule und der Lehrerschaft, die Chancen des GU anzunehmen. Die innere Überzeugung, dass anders sein normal ist, muss sich erst in den Köpfen festsetzen. „Verordnungen von „oben" bringen nichts", sagt Renate Schmidt-Hasenpusch, die vor 24 Jahren als Sonderschullehrerin an die IGS kam. So fristet die IGS Bonn-Beuel ein „Inseldasein", dass sich, auch wenn man es gerne wollte, nicht einfach auf andere Schulen übertragen lässt.

 

Die Erkenntnis ist schon ein bisschen desillusionierend, aber eine weitere Keimzelle mit guten Ansätzen und Durchhaltevermögen ist der Verein „Schule für alle" mit ihrer Vorsitzenden Lucia Schneider, der seit einem Jahr in Hennef um den GU kämpft. Norbert Bauer schwärmt: „Ich habe den Hauptgewinn gezogen, mein behinderter Sohn hat einen Platz bekommen."

Ein Grund mehr für den Verein, um für integrative Lerngruppen, auch in Hennefs Schulen, zu kämpfen.

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