24.04.2013 - Ausschuss für Schule, Sport und Städtepartnerschaft

Der Tagesordnungspunkt "Schule in der Geisbach, Ausweitung der sonderpädagogischen Zuständigkeit" war per Nachtrag in den Ausschuss vom 24.04.2013 eingebracht worden. 

 

Die Fraktionen konnten das Thema daher in ihren vorbereitenden Sitzungen noch nicht eingehend besprechen, weder die Vor- und Nachteile noch mögliche Konsequenzen beraten.

 

 

Auf die Bitte der SPD um Vertagung machte Herr Hanraths geltend, dass durch die Bezirksregierung Köln Handlungsbedarf gefordert worden war.

 

 

Herr Hanraths erläuterte zunächst ausführlich die Hintergründe, die eine Ausweitung der sonderpädagogischen Zuständigkeit der Schule in der Geisbach erforderlich machen. Die für seine Erläuterungen verwendete E-Mail der Bezirksregierung Köln vom 05.04.2013 und die Grafik „Gemeinsames schulbegleitendes Kinder- und Jugendbetreuungsnetz Hennef“ sind der Niederschrift als Anlage-Nr. 3 beigefügt. (Verlinkung folgt)

 

 

Die Ausschussmitglieder waren sich einig, dass der per Nachtrag versandte Beschlussvorschlag bereits zu konkret formuliert ist. Daher wurde von mehreren Fraktionen vorgeschlagen, das Wort „Ziel“ im Beschlussvorschlag in „Inhalt“ abzuändern. Herr Schmitz bat darum, die vorherige Beteiligung des Arbeitskreises Jugendhilfe und Schule ebenfalls mit zu beschließen.

 

 

Daraufhin wurde abweichend vom Beschlussvorschlag einstimmig beschlossen:

 

 

Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Schulamt des Rhein-Sieg-Kreises, den betroffenen Schulen und Nachbarkommunen Gespräche zu führen mit dem Inhalt, ein begleitendes Unterstützungssystem für die Schulen aufzubauen. Zu klären ist, ob die Schule in der Geisbach ihren Förderschwerpunkt erweitert und als Verbundschule im Sekundarbereich geführt werden kann. Dabei ist im Falle der Umwandlung der Förderschule Lernen in eine Verbundschule mit Blick auf die Zusammensetzung der Schülerschaft auf eine dauerhafte und nachhaltige Etablierung eines/r Schulsozialarbeiters/in hinzuwirken, die interkommunal finanziert werden soll. Vor dem Abstimmungsgespräch am 15.05.2013 mit den betroffenen Schulen und Kommunen wird der Arbeitskreis Jugendhilfe und Schule, der um das Themenfeld Inklusion erweitert wurde, beteiligt. Ziel der Beteiligung ist es, die perspektivische Entwicklung der Inklusion zu beraten.

 

 

Die Berichterstattung hierzu lesen Sie im Rhein-Sieg-Anzeiger.

 

Unsere Stellungnahme

Inklusion und Erhalt von Förderschulen

Ein Widerspruch?

 

Der Verein Schule für alle e.V. setzt sich seit nunmehr etwa 5 Jahren für das gemeinsamen Leben und Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ein – will sagen: Wir fordern, dass Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen in den allgemeinbildenden Schulen gefördert werden.

 

Die Stadt Hennef hat den Verein in dieser Zeit immer wieder ermutigt und das Ziel der Inklusion inzwischen sogar in ihr Leitbild aufgenommen. Klaus Pipke stellt fest, 

„dass ein Zusammen aller Menschen ohne viele Grenzen möglich ist und sein sollte. In Hennef haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, das Thema Inklusion voran zu bringen. Wir stehen am Anfang dieses Weges, aber es ist der richtige.“

 

Da mutet der unerwartete Beschlussvorschlag im Schulausschuss, die Förderschule Lernen in der Geisbach zur Verbundschule mit erweitertem Förderbedarf Emotionale und Soziale Entwicklung umzuwandeln, im ersten Moment sehr irritierend an.

 

Wie ist dieser Beschluss gewachsen?

Welche Folgen hätte die Gründung einer Verbundschule?

 

Im Schulausschuss ist zunächst keine endgültige Entscheidung gefallen. Die Verwaltung wurde lediglich beauftragt, „mit dem Schulamt des Rhein-Sieg-Kreises, den betroffenen Schulen und Nachbarkommunen Gespräche zu führen mit dem Inhalt, ein begleitendes Unterstützungssystem für die Schulen aufzubauen. Zu klären ist, ob die Schule in der Geisbach ihren Förderschwerpunkt erweitern und als Verbundschule im Sekundarbereich geführt werden kann. (...)“

 

Es hat seitdem viele Gespräche gegeben, mehrere Drüber-geschlafene-Nächte. Inzwischen weiß ich:

 

Die Beauftragung der Verwaltung durch den Schulausschuss, Gespräche mit den Beteiligten zu führen, war der richtige, wenn auch sehr eilige und einsam entschiedene, Weg.

Denn:

Die Bezirksregierung Köln hat aufgrund der Anmeldesituation an der Schule in der Geisbach die Schulleiterin, Margret Hagen,  dahingehend beraten, dass der Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung ins Konzept der Schule aufzunehmen ist: Mehr als 20 Kinder wurden fürs nächste Schuljahr in der Geisbach aufgenommen, die neben dem Förderschwerpunkt Lernen auch Entwicklungsbedarf im Bereich Emotional-Sozial aufweisen.

Nur wenn ein solcher Verbund (sozusagen „zwei“ Förderschulen in einer) gegründet wird, kann auch sichergestellt werden, dass der Schule die Sonderpädagogen mit der notwendigen Ausbildung in diesem Bereich zugewiesen werden.

 

„Erster Förderort ist die allgemeinbildende Schule“

(Gesetzentwurf der Landesregierung vom 19. März 2013,

9. Schulrechtsänderungsgesetz)

 

Ich kann nachvollziehen, dass für Schulträger und Schulaufsicht die Sicherung von Sonderpädagogen ein wichtiges Ziel ist – somit die Gründung einer Verbundschule.

Dem Inklusionsgedanken würde jedoch massiv zuwidergehandelt werden, wenn lediglich auf steigende Schülerzahlen sowie steigende Lehrerstellen geschaut würde. Konsequenterweise findet sich daher sowohl im Beschlussvorschlag als auch in der Begründung die Forderung nach dem Ausbau eines „begleitenden Unterstützungssystems“, will heißen: ja, was eigentlich genau...?

 

Genau hier ist meiner Ansicht nach der Dreh- und Angelpunkt der Verbundschulen-Diskussion:

Perspektivisch wird es darum gehen müssen, ein durchdachtes, mit allen Beteiligten (Förderschulen, allgemeinbildende Schulen, Schulträger, Eltern, Schüler und Jugendhilfe) abgestimmtes Konzept für ein Förder- und Unterstützungssystem für die allgemeinbildenden Schulen vor Ort zu entwickeln.

 

Beteiligung bündelt Kompetenzen,

Beteiligung vermittelt Wertschätzung,

Beteiligung stellt sicher, dass ein Konzept von verschiedenen Perspektiven gedacht und bereichert wird.

Beteiligung braucht Zeit.

 

Aber ich denke, diese Zeit wäre ein gut investiertes Gut.

 

Lucia Schneider, Vorsitzende Schule für alle e.V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verbundschule - Was ist das?

Eine Verbundschule im hier genannten Sinne bedeutet, dass in der neu zu gründenden Schule Kinder mit 2 Förderschwerpunkten aufgenommen werden können. Zur Zeit können an der Schule in der Geisbach nur Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen aufgenommen werden. Kommt die Verbundschule, können auch Kinder mit doppeltem Förderschwerpunkt (Lernen und Sozial/Emotional) aufgenommen werden. Die Schule wird dann auch mit entsprechend geschultem Personal versorgt.

 

 

 

 

 

Inklusion heißt:

... gemeinsam..., alle.

            www.martin-luther-king-schule.de

 

 

 

 

 

Inklusion heißt auch:

... mit einander reden: gemeinsam, alle.

                      www.inklusion-en-hagen.de

 

 

 

 

 

 

© 2009 Schule für alle e.V. /// KONTAKT /// IMPRESSUM