Artikel im Rhein-Sieg-Anzeiger vom 21.04.2008

Vision von der „Schule für alle“

Von RALF ROHRMOSER-VON GLASOW, 21.04.08, 17:24h

Hennef - Der junge Verein möchte den integrativen Unterricht fördern. Im Mai lädt die Hennefer Initiative zu einer Zukunftswerkstatt ein, um ihr Projekt bekannt zu machen.

Hennef - Lucia Schneider ist ein Energiebündel. Die 37-jährige Henneferin hat einen Job und zwei Kinder, eines davon mit Down-Syndrom. Und sie hat eine Vision, die „Schule für alle“. Sie will, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen können. „Integration ist Kraftfutter für Kindergehirne“: Diese Aussage des Neurobiologieprofessors Gerald Hüther ist zu einem Leitspruch für sie geworden.

 

Mit 15 Gleichgesinnten hat sie jetzt den Verein „Schule für alle“ gegründet, der, so steht es in der Satzung, „mit seiner Arbeit das gemeinsame Leben und Lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen in allen Lebensbereichen“ voranbringen will. Eine Überraschung war es nicht, dass Schneider einstimmig zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde.

Die Gründungsversammlung war nicht nur reiner Verwaltungsakt. Weil die Frau mit der treibenden Kraft Lehrerin ist, tauschten sich die Mitglieder zunächst über Hoffnungen, Forderungen und Ängste aus. Die Kinder wünschen sich, mit ihren Freunden aus dem Kindergarten auch zur Schule gehen zu können, und das in der Nähe ihres Wohnortes. Bislang ist dies kaum möglich. Nur in Happerschoß gibt es eine integrative Klasse. Doch dort werden Schüler mit geistigen oder körperlichen Behinderungen auch nicht aufgenommen. Sie müssen in spezielle Förderschulen gehen.

Gemischte Lerngruppen aber sind, das ist inzwischen hinlänglich bekannt, sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderungen förderlich. Eine Frau sagte: „Mein Sohn braucht »normale« Kinder um sich herum, damit er von ihnen lernen kann.“ Und andere wünschten sich, dass „mein Kind akzeptiert wird, wie es ist“. Bei den Befürchtungen kam noch deutlicher heraus, warum Schulformen, die Behinderung als alltäglich aufgreifen, für viele Schüler wichtig sein können. Während die einen fürchteten, dass ihre Tochter ohne Not in einer Behindertenwerkstatt landen könnte, warnten andere davor, dass ihr Kind im Regelunterricht untergeht.

Da will der Verein mit seiner Arbeit ansetzen: Bedingungen schaffen, damit in der Regelschule alle gemeinsam ihren Stoff lernen können. Das kann von „etwas mehr Zuwendung“ bis hin zu spezieller Förderung reichen. Die Mitglieder wollen analysieren, was wünschenswert wäre und dann Wege entwickeln, um ihre Visionen zu verwirklichen.

Dafür laden sie am 16. und 17. Mai zu einer Zukunftswerkstatt in die Meys Fabrik ein - die erste Großveranstaltung des noch jungen Vereins.

Lucia Schneider unterzeichnet Vereinssatzung

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